Die Brennessel

Brennessel

Das Vorkommen der Brennessel ist fast weltweit. Der botanische Name der Pflanze Urtica bedeutet eine Art Nesselsucht, die auf der Haut entsteht. Wenn unsere Haut mit den Brennesseln in Kontakt kommt, lösen sich Nesseln in der Haut.
Es gibt z. B. die Arten: Große Brennessel (Urtica dioica), Kleine Brennessel (Urtica urens), Pillen-Brennessel (Urtica pilulifera) sowie Röhricht-Brennessel (Urtica kioviensis).
Von der Pflanze kann man fast alle Teile nutzen: die Blätter, die Wurzel, die Stängel, die Samen oder Früchte.  Die Höhe der großen Brennnessel kann 1,5 Meter erreichen. Es ist eine zweihäusige Pflanze mit männlichen und weiblichen Blüten auf getrennten Pflanzen. Kleine Brennnesseln können nur bis zu 45 cm hoch werden und jede Pflanze hat weibliche und männliche Blüten. Die Frucht ist eine einsamige Nuss. Brennnesseln haben viele stechende Haare an den Stielen und Blättern. Beim Berühren frischer Pflanzen bricht die kugelförmige Spitze des stechenden Haares, so dass sein Gehalt (Ameisensäure, biogene Amine und andere unbekannte Substanzen) in der Haut freigesetzt wird. Dies verursacht ein typisches Brennen auf der Haut und bildet Windklumpen. Junge Blätter und junge Zweige haben keine stechenden Haare. Sie können als nahrhaftes Gemüse oder als Salate gegessen werden. Die Blätter oder Wurzeln werden hauptsächlich für medizinische Zwecke verwendet.
Diese Pflanze ist eine Königin der Heilpflanzen. Alle Teile der Pflanze sind heilsam und lassen sich universal verarbeiten. Es ist kein Wunder, dass diese Pflanze sich vor Tieren und Menschen zu wehren versucht.
Alles an der Pflanze ist wehrhaft. Bereits die Blätter einer ausgewachsenen Pflanze haben eine sägeblattartige Form, sind gezahnt und warnen: Lassen Sie mich doch in Ruhe! Wenn jemand ihr aber zu nah kommt, der verbrennt sich. Denn diese Pflanze bekleidet sich für ihren Schutz vor den Fressfeinden mit den Brennhaaren, die spezielle Drüsenzellen sind. Wenn man sie dem Mikroskop betrachtet, sieht man die Struktur der Brennhaare. Sie bestehen aus Zellen, die eine kugelartige Basis haben und wie Haare nach oben weiter wachsen. Ihre Zellwände sind starr durch Einlagern von Silikat, sie werden abgeschlossen je mit mini Köpfchen. Ihre Drüsenzellen sind an ihren Stängeln und Blättern positioniert und lagern eine echte Mischung an Reizstoffen. Außer dem hauptsächlich wirkenden Acetylcholin (ein Nesselgiftstoff) sind zudem Serotonin, Histamin sowie Spuren von Essig-, Butter- und Ameisensäure enthalten. Schon bei der minimalen Berührung brechen ihre Köpfchen ab. So verwandeln sich die Soll-Bruchstellen von der verkieselten Zellwänden in die Gestalt von spritzenförmigen Kanülen. Beim Berühren bohren sich Tausende dieser mini Spritzen in unsere Haut und entlassen dann in unsere verletzten Hautzellen ihren Nesselgiftstoff. Das Ergebnis sind gerötete, schmerzende Quaddeln auf unserer Haut, die insbesondere bei empfindlicheren Menschen nach ein paar Stunden erst erneut nachlassen.
Man nutzt medizinisch (z. B. naturheilkundlich) dieses Gift. Beispielsweise nutzt man die Brennessel-Waffen für eine lokale Reiz-Therapie. Das hilft Menschen mit rheumatischen Beschwerden an Knien oder Füßen gehen, wenn sie barfüßig tapfer durch Brennesseln laufen. Die Hautreizungen von der Pflanze stimulieren die Durchblutung unserer Haut ebenso reflektorisch in den tieferen Gewebeschichten. Das Acetylcholin hat seine Wirkung über unsere Haut unmittelbar auf unser Nervensystem. Es regt somit die glatte Muskulatur z. B. unserer Blutgefäße an. Solche martialische Behandlung könnte ebenso bei Fällen mit degenerativ-entzündlichen Erkrankungen (z. B. chronische Polyarthritis oder Arthrose) eingesetzt werden. Für diesen Zweck nutzt man Schlagen oder Auflage (30 Sekunden und 1 Mal pro Tag) mit frischem Brennesselkraut über die schmerzenden Gelenke.
Ebenfalls bei Hauterkrankungen (nesselartige Ausschläge) oder Schuppenflechten (Psoriasis) könnte die naturheilkundliche Behandlung durchgeführt werden, bei der man mithilfe vom Brennessel-Gift Heilimpulse auszulösen versucht. Die Idee dahinter: Chronisch erkrankte Regionen der Haut in „akute“ Erkrankungsphase zu versetzen. In solchen Phasen kann man Erkrankungen laut der Naturheilkunde dann nicht bloß symptomatisch behandeln, sondern ebenfalls mit einer Option auf wirkliche Heilung der jeweiligen Erkrankung.

Botanik

Brennessel botanik

Die Brennesseln (Urtica) sind eine Gattung der Familie Brennesselgewächse (Urticaceae). Die Pflanze wächst in gemäßigten Zonen auf der ganzen Welt. Es gibt 40 Arten dieser Pflanze. Die beiden mehrjährigen Arten trifft man in Mitteleuropa (wo es insgesamt sonst 12 Arten der Pflanze gibt) ziemlich oft an. Sie besiedeln Weideränder, Grabenränder, Gärten, Müll- und Schuttplätze, feuchte Waldstellen, Ödland. Je nach Standort und Art wird diese Pflanze ca. 60 – 150 cm hoch. Ihr Wurzelstock ist winterhart und kriechend. Die Stängel haben eine vierkantige Form, die Blätter sind länglich-herzförmig, gegenständig und an dem Rand grob gezahnt. Ihre Blüten haben grünlich-weißliche Farbe und baumeln in ihren geknäulten Rispen. Die Blüten der Brennessel sind zweihäusig, ihre Frucht besteht aus einem einsamigen Nüsschen.

Brennessel Wirkung / Brennessel Heilwirkung

Die Brennessel wird in der Naturheilkunde z.B. bei Anämie, genutzt, denn die Brennessel enthält einen Haufen Mineralien. Außerdem wird die Pflanze benutzt bei: Nesselsucht, Entzündungen der Haut, Nierenentzündungen, Blasenentzündung, Arthritis, bei Schmerzen (z. B. Ischias oder Nervenschmerzen). Die Pflanze hat viele Eigenschaften, z.B. ist sie wegen den Mineralien blutbildend. Sie ist auch ein Antirheumatikum, sie verhindert Entzündungen im Körper. Brennnesselblätter enthalten 1-2% Flavonoide (wie Rutin) und organische Säuren (wie Kafeoyläpfelsäureätherische Öle, Vitamine C, B und K sowie Steroide). Es sind auch Mineralien wie Kalium, Kalzium und Kieselsäure vorhanden. Das Stechende Haar enthält Histamin, Serotonin, Acetylcholin und Scolin. Die Wurzeln der Brennnesseln bestehen aus Steroiden (wie β-Sitosterol und seinen Glykosiden, Lignanen, Lectinen und Polysacchariden). Die Brennnesselfrucht enthält Fettöl, das reich an Linolsäure, Vitamin E und Carotinoide ist. Der Extrakt aus Brennnesselblättern wirkt harntreibend und kann so den Urinausstoß erhöhen. Flavonoide und Kalium können die Ursache für diese Situation sein.

 

Der Einsatz der Brennessel heute und in der Geschichte

Brennessel Geschichte

Es gibt ein oberösterreichisches Sprichwort „Die Brennessel begleitet den Menschen über die Erde“. Es zeigt die hohe frühere Wertschätzung dieser Pflanze. Die Brennessel fand vielseitige Nutzung: Sie wurde als nahrhaftes Viehfutter zusammen mit den abgetrockneten Nüsschen als besondere Energieanreicherung an Pferde und Vieh verfüttert. Die Brennessel lieferte ebenfalls Textilien: In ärmeren Regionen hat man die Fasern der Pflanze Große Brennessel verarbeitet, und hat daraus einen billigen (minderwertigen) Ersatz für die Leinen zu Nesseltuch und Nesselgarn bekommen. Auch kann man Farbstoff zu dem Einfärben von Seide oder Wolle aus der Pflanze herstellen. Heutzutage ist diese Pflanze ein der wichtigsten Lieferanten für unsere Lebensmittelfarben. Diese stellt man aus dem Chlorophyll in der Brennessel her, und verarbeitet sie in etlichen Bereichen der Lebensmittelindustrie – z. B. um die eingelegten Gurken in appetitlich grüner Farbe aussehen zu lassen. Während der Farbstoff-Extraktion geraten ebenso viele Wirkstoffe von dieser Heilpflanze dann in alle Lebensmittelfarben. Was für eine Auswirkung das hat, war bis jetzt noch kein Gegenstand von wissenschaftlicher Untersuchung. Schade – da wegen der breiten Palette an Wirkstoffen der Brennessel dabei interessante Ergebnisse herauskommen können.